Dienstag, 6. November 2012

Guilin und Peking 

An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. 

Karl Marx und Friedrich Engels, 1848 


Chinesische Touristen, die durch Europa reisen, besuchen gerne Trier (wegen Karl Marx) und Metzingen (wegen Hugo Boss).

Europäische Touristen, die durch China reisen, haben den Eindruck, dass sich hier tatsächlich alles um das Kapital und um die Marke dreht, aber weder im Sinne von Karl Marx noch im Sinne von Hugo Boss. Wenn man durch die Märkte von Guilin oder Peking streift, glaubt man, es gehe darum, aus wenig Kapital möglichst großen Profit zu schlagen, indem Markenerzeugnisse von zweifelhafter Herkunft verkauft werden. So ist es eine Ironie der Geschichte, dass in einem Land, in dem Marx offiziell noch einiges gilt, ein globalisiertes Wirtschaftssystem vorherrscht, das Marx und Engels erstaunlich genau vorhergesehen und scharf kritisiert haben. 

Auf meiner Reise durch China lernte ich nur einen kleinen Teil des riesigen Landes kennen - die Gegend um Guilin im Süden und Peking im Norden. Ich sah aber, dass es ein Land der Superlative ist, vom höchsten Berg der Welt über die größte Palastanlage bis zur längsten Mauer. Und zwischen Guilin und Peking war ich rekordverdächtige 2.100 Kilometer im Zug unterwegs.

Blick in den Himalaya beim Flug von Nepal über die Grenze nach Tibet. Die Felspyramide links am Horizont ist der Mount Everest.
Guilin, eine Millionenstadt inmitten von Karstfelsen
Pagoden in Guilin
Yangshuo, ein schön gelegener Ort südlich von Guilin
Karstlandschaft bei Yangshuo
Ein Kormoranfischer auf dem Weg zur Arbeit. Seine gefiederten Mitarbeiter sitzen vorne auf dem Boot.
Szenen- und Klimawechsel: Der erste Schnee über einem alten und einem neuen Stadtviertel von Peking.
Globalisierung auf Chinesisch: Internationale Marken, dazwischen ein muslimisches Restaurant (Muslime sind eine bedeutende Minderheit in Peking). Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich die Polizisten im Vordergrund unter zwei McDonald's-Sonnenschirme gestellt haben.
Das Dächergewirr über dem Kaiserpalast, der "verbotenen Stadt"
Die chinesische Mauer nördlich von Peking

Zum Schluss: Reisen in China ist sehr komfortabel. Von der Flussfahrt über den Schnellzug bis zur Taxifahrt läuft alles wie am Schnürchen. Ohne Chinesischkenntnisse kommt man sich aber doch manchmal verloren vor, da kaum etwas auf Englisch angeschrieben ist. Und manches englische Schild gibt selbst Rätsel auf, wie dieses Beispiel in einem Park bei Guilin:


Jedenfalls habe ich "everything danger activity" unterlassen und bin so ganz gut zurechtgekommen.


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